Wenn ich mir in meiner Statistik anschaue, wonach die Menschen googeln, die auf meiner Seite landen, ist das häufigste Wort tatsächlich „weinen“. Weinende Kinder lösen in uns direkt heftige Gefühle aus und oft fühlen wir uns überfordert und manchmal auch getriggert. Aber ist das Weinen an sich eigentlich wirklich schlimm? Geht es wirklich darum, Wege zu finden Kinder schnell wieder zu beruhigen? Ist es gesund, wenn Erwachsene Kindern erklären, dass „das alles ja gar nicht so schlimm ist“? Und wie oft hören Eltern von Erzieherinnen, dass das Kind ja mit purer Absicht weint und man das getrost ignorieren kann?


Was habt ihr diesbezüglich schon erlebt? Wie geht es euch mit dem Weinen eurer Kinder?


Weinen ist in erster Linie ein Gefühlsausdruck. Das System des Kindes ist mit etwas überbelastet und drückt es aus. Es ist gesund und natürlich ein zuviel an Emotionen rauszulassen und wir sollten froh darüber sein, wenn Kinder weinen, anstatt dass sie ihre Gefühle in sich hineinfressen.

Ich kenne erschreckend viele erwachsene Menschen (und durch die gesellschaftliche Erziehung sind es vor allem Männer), die seit Jahren nicht mehr geweint haben! Und das ist erschütternd. Für mich ist weinen nichts schlimmes und nichts was „weggemacht werden muss“. Wenn ich weine, dann kann sich etwas lösen, dann bin ich danach ruhiger und entspannter und etwas freier. Es ist eine gesunde Reaktion unseres Systems.

Leider ist weinen in unserer Gesellschaft fast unsichtbar bei Erwachsenen. Kinder haben kaum authentische Vorbilder und Erwachsene keine Ahnung, wie sie damit umgehen sollen. Anstatt die Person, die weint zu begleiten und den Raum für ihre Gefühle zu halten, versuchen wir eher zu beruhigen oder abzulenken. Wir haben es nicht anders gelernt!

Aber was ist wenn unser Umgang mit Weinen einfach nur eine Prägung ist, die uns nicht wirklich hilft? Ganz im Gegenteil, lernen wir durch das Wegdrücken (bei uns selbst und so, wie wir es Kindern vormachen und ihnen spiegeln) die ganzen Gefühle in uns drin zu halten. Und genau DAS macht das Problem. Wir speichern die ungelösten Emotionen in unseren Körpern, als Ladungen und Muskelverspannungen, wir lernen uns zusammenzuziehen und flacher zu atmen und unseren natürlichen Ausdruck immer mehr zurückzuhalten. Als Erwachsene können wir dann nicht mehr über unsere Gefühle sprechen, geschweige sie bei anderen aushalten, sind völlig „muskelgepanzert“ in unserem Körper, entwickeln Krankheitssymptome, die keiner diagnostizieren kann und fühlen uns von unserer Lebensenergie abgeschnitten.

Wenn wir seelisch und körperlich gesunde Kinder in diese Welt begleiten wollen, dann müssen wir bei uns selbst beginnen. Wie gehen wir mit Gefühlen um? Wie haben wir gelernt sie auszudrücken? Was triggert uns, wenn jemand weint? Wie gehen wir mit dem Gefühl von Hilflosigkeit um? Wo sitzt in unserem Körper Spannung/Ladung die von unterdrückten Gefühlen herrührt und wie können wir sie lösen?

Erst ein eigener, sicherer Umgang mit den eigenen Gefühlen, ermöglicht es Kinder in ihren Gefühlen entspannt und authentisch begleiten zu können.


Was brauchen Kinder, die weinen?

Sie brauchen die Möglichkeit diese Emotionen durch das Weinen durchfühlen zu dürfen! Sie brauchen Zeit dafür und eine sichere Bindungsperson, die sie dabei begleitet, die da ist und es aushalten kann, ohne sich selbst davon angegriffen zu fühlen. Wenn Kinder sich ausweinen dürfen, kann sich die Ladung auflösen/ausdrücken und danach kann sich der Körper des Kindes wieder entspannen und erst dann, macht es auch Sinn über Sprache und rationales Denken an das Kind heran zu treten.

Was brauchen Kinder nicht, wenn sie weinen?

Überforderte Erwachsene

Erwachsene, die denken, sie müssten den Kindern ihre Emotionen absprechen (das ist doch nicht so schlimm)

Erwachsene, die denken, sie müssten Kindern ihre Emotionen verbieten (hör auf zu weinen)

Erwachsene, die denken, sie müssten die Kinder mit ihren Emotionen alleine lassen (deswegen ist es so wichtig in der Eingewöhnung, dass das Kind eine stabile und sichere Bindung zu seiner neuen Bezugsperson aufbaut BEVOR ein Trennungsversuch unternommen wird).


Wenn wir mit etwas überfordert sind, unser Nervensystem übererregt ist, dann braucht es eine Weile, bis sich alles wieder beruhigen kann. Unser Körper nutzt zur Regulation zittern, weinen, schlafen etc. und wenn dieser natürliche Mechanismus einfach stattfinden darf, ist das gesund. Je mehr er ins Stocken gerät und weggedrückt wird, desto mehr bleibt in uns haften und wird sich auswirken auf unsere Lebensqualität.

Hochsensible Menschen haben ein deutlich leichter erregbares Nervensystem und daher ist es sinnvoll, sich dies bewusst zu machen und bei sich selbst und den Kindern zu beobachten, wie sich die Anspannung „entlädt“.

Eine super einfache Übung, wenn ihr spürt, dass ihr selbst, oder euer Kind viel Spannung in sich hat, ist schütteln. Zehn Minuten schütteln und dabei Grimassen schneiden und komische Geräusche von sich geben, hilft definitiv mehr, als sich abzulenken und alles wegzudrücken. Probiert es aus!

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