Mein heutiger Blogartikel stammt mal wieder direkt aus meinem Herzen, meiner Intuition, meiner eigenen Wahrnehmung und den Erlebnissen, die ich bei meiner Arbeit mit hochsensiblen Kinder gemacht habe und mache. Es gibt von mir keine wissenschaftlichen Beweise oder Studien, sondern meinen gesunden Menschenverstand. Und genau das wünsche ich mir auch von euch Leserin und Leserinnen, für alle meine Artikel. Überprüft, was für euch stimmig ist und was nicht. Hochsensibilität ist so unglaublich facettenreich und jeder Mensch trägt seine ganz eigene Wahrnehmung und Wahrheit mit sich herum, die nicht zwingend auf alle anderen zutreffen muss.

 

Schon seit längerer Zeit habe ich total Lust über das Thema Berühren zu schreiben! Womöglich, weil ich gerade selber spüre und lerne, welche kraftvolle Art der Entspannung, darin für mich liegt, aber natürlich auch, weil ich als Erzieherin damit wirklich sehr unterschiedliche und intensive Erfahrungen machen durfte.

 

Meine hochsensible Wahrnehmung von Berührung

 

Sowohl bei mir selbst, als auch bei hochsensiblen Kindern spüre ich immer wieder, dass berührt werden, eine sehr intensive Erfahrung ist und eine, die ganz, ganz viel mit dem Thema Grenzen und Respekt zu tun hat.

 

Berührungen wurden von mir schon immer wahnsinnig bewusst wahrgenommen und gespürt. Und es gab viele Berührungen, die ich nicht mochte, die sich unangenehm anfühlten und denen ich auswich. Manchmal weil es zu viel für mein System war, aber sehr oft auch, weil die Energie des anderen nicht so nah haben wollte. Bei einer Berührung habe ich das Gefühl, auch innerlich vom anderen berührt zu werden. Das kann unglaublich schön sein! Aber wenn der, der mich berührt (und das kann eine stinknormale Umarmung sein), sich unangenehm anfühlt, dann suche ich ganz schnell wieder Abstand. Und das war für mich viele, viele Jahre meine Wahrnehmung. Fremdberührungen waren erstmal anstrengend, eindringend in mein System und haben mich auch oft erschöpft. Ich war absolut kein körperlicher Mensch und auch in Beziehungen dauerte es recht lange, bis ich mich entspannen konnte. Ich würde sagen ich war so geprägt von der Erfahrung, durch Fremdenergien belastet zu werden, dass ich Berührungen kaum genießen konnte, geschweige denn einen spielerischen Umgang damit führen konnte. Und gleichzeitig fühlte ich mich total ausgehungert danach, berührt zu werden. Liebevoll, absichtslos.

 

Ich erinnere mich, dass der Lebensgefährte meiner Oma mir als Kind stundenlang die Füße gestreichelt und massiert hat. Auf diese ganz leichte, kribbelnde Art, dass man an ganzen Körper Schauer bekommt. Ich konnte davon nicht genug bekommen. Und noch heute ist es fast das Größte, wenn mir jemand die Füße massiert.

 

Berührt zu werden hatte für mich auch immer eine Form von „Gehalten werden“. Als hochsensibler Mensch ist meine Wahrnehmung so sehr auf all das Spüren im Außen gerichtet, all die Reize, Informationen, Gefühle anderer, die ich spüre… das macht mich manchmal fast wahnsinnig und ist super anstrengend. Und nicht immer schaffe ich es, mir selbst eine Pause zu verschaffen diesbezüglich. Es gab und davon gibt es immer noch drei Menschen in meinem Leben, die durch Berührung etwas schaffen, was ich alleine so nicht hinbekomme. Menschen, die mich in den Arm nehmen, mir die Hand auf den Kopf legen und dann ist Ruhe. Dann ist einfach Ruhe in meinem Kopf. Die Berührung begrenzt mich und schützt mich gleichermaßen und das Gefühl ist unbeschreiblich.

 

Und dann gibt es da noch diese super energetischen Berührungen. Bei denen es reicht, wenn man nur die Hand auf den Körper des anderen legt, und alles fängt an zu kribbeln und zu vibrieren. Eine super intensive Erfahrung, die ich mittlerweile als totale Bereicherung empfinden kann. Früher hat es mir Angst gemacht, weil es so krass und fast schon überwältigend sein kann. Heute weiß ich, dass ich diese Resonanz total genießen darf und die meisten Menschen, mit denen ich auf dieser Ebene kommuniziere und kommunizieren durfte, waren mir echte Herzensmenschen und Wegbegleiter.

 

 

Hochsensible Kinder und Berührungen

 

 

Ähnlich wie bei mir selbst, erlebe ich die Ambivalenz zu diesem Thema, auch bei Kindern. Zwischen Genuss und Beruhigung und totaler Abwehr ist da alles dabei und es erfordert ganz viel Achtsamkeit und Sensibilität herauszufinden, wie viel Berührung das jeweilige Kind braucht und auch zulassen kann.

 

Auf der Homepage von „Geborgen Wachsen“ habe ich diesen tollen Textabschnitt gefunden!

„Bei angenehmen Gefühlen, Körperkontakt, Massagen, Stillen, angenehmer Körperpflege, gemeinsamen schönen körperlichen Interaktionen werden die Liebeshormone Dopamin und Oxytozin ausgeschüttet (Burgdorf/Panksepp 2006). Oxytozin bewirkt Entspanung, ein Gefühl der sozialen Verbundenheit, mildert Ängste, senkt den Blutdruck, verringert den Kortisolspiegel, verbessert die Wundheilung, regt (Nerven-)Wachstum an (Uvnäs-Moberg 2006). Wird Oxytozin ausgeschüttet, fungiert es als Bindungshormon und wir fühlen uns dem Menschen uns gegenüber verbunden.“(vgl. https://geborgen-wachsen.de/2014/10/17/bindung-durch-beruehrung-mein-vortrag-auf-dem-attachment-parenting-kongress)

Wenn das mal nicht für’s Berühren spricht!!!

 

Und genau das ist es, was ich in den letzten Jahren und besonders Monaten immer klarer und deutlicher, auch für mich selbst erkannt habe! Berührung ist für mich tatsächlich heilsam. Ich durfte Menschen begegnen, die ich mich auf eine Art und Weise berührt haben, dass es mir die Tränen in die Augen getrieben hat. Ich musste mir eingestehen, dass ich ein totales Bedürfnis danach habe berührt zu werden und zu berühren und dass ich mir das viel mehr und häufiger in meinem Leben wünsche. Ich habe erkannt, was für einen unfassbar großen Unterschied es macht, mit welcher Haltung ich berührt werde, oder berühre und habe dadurch endlich verstanden, warum ich so oft diese innere Ablehnung gespürt habe.

 

Als Erzieherin bin ich tagtäglich damit konfrontiert herauszufinden, was den Kindern guttut und wo die Grenzen sind. Hochsensible Kinder trauen sich nicht immer, selbst Körperkontakt zu suchen (das kenne ich von mir selbst auch sehr gut) und so lade ich oft und gerne dazu ein. Mit meistens großem Erfolg. Gerade in herausfordernden Situationen z.B. beim morgendlichen Ablösen von der Mama, kann es ein Kind so sehr unterstützen, in den Arm genommen zu werden und es zu halten.

 

Hochsensible Kinder verstehen die Kommunikation über Berührungen sehr gut und es braucht nicht immer zwingend viele Worte, um zu Trösten, sondern viel mehr liebevollen Körperkontakt.

 

Da hochsensible Kinder zu Verspannungen und innerer Anspannung neigen, können bewusste Streicheleinheiten und Massagen, ihr ganzes System und ihren Körper, auf wunderbare Weise entspannen.

 

Aber Berührungen können auch ein heikles Thema, im Leben hochsensibler Kinder spielen. Es gibt Kinder, die wirklich nicht gerne angefasst werden, oder nur von ganz, ganz speziellen Bezugspersonen. Und das ist völlig in Ordnung und muss, meiner Meinung nach, unbedingt respektiert werden. Leider gehört es ja fast zu unserer gesellschaftlichen Normalität, dass man Kindern ungefragt über den Kopf streichelt, oder die Wange tätschelt.

 

Ich erinnere mich an eine Situation, als ich mit meiner Kindergartengruppe einen Ausflug ins Museum machte. Auf dem Weg durch die Stadt liefen wir an ein paar älteren Menschen vorbei, die sich total freuten, so viele Kinder zu sehen. Einer der Senioren tat genau das… er wuschelte einem Kind ungefragt durch die Haare. Der Junge wich zurück, der Mann lachte und ich versuchte freundlich zu erklären, dass ich es nicht möchte, dass fremde Kinder ungefragt berührt werden. Die Reaktion war ärgerlich, denn ich wurde einfach nur belächelt. Die Reaktion des Kindes war eindrücklich. Er erzählte den ganzen Tag davon, wie ich mich verhalten hatte und fühlte sich sichtlich gesehen.

 

Das hat mir wirklich einmal mehr die Augen geöffnet, wie wichtig es ist, dass wir uns als Vorbilder zeigen und uns klar für die Bedürfnisse der Kinder positionieren. Nur so können sie es selber auch lernen. Und das bedeutet für mich, dass auch ein aufgedrängter Kuss der Tante etc. nicht in Ordnung ist, wenn das Kind das nicht möchte!

 

 

Wie können wir Kinder achtsam berühren?

 

 

 

Hochsensible Kinder können total davon profitieren berührt und massiert zu werden. Es gibt ihnen die Möglichkeit sich auf körperlicher und seelischer Ebene zu entspannen und zur Ruhe zu kommen. Gerade nach einer stressigen Situation, einem anstrengenden Tag, können wir ihnen damit etwas Gutes tun und ihr System wieder ins Gleichgewicht bringen. Aus andauernden Stresssituationen entwickeln sich manchmal chronische Probleme und Krankheiten und durch echte Entspannung, können wir dem optimal vorbeugen.

 

Wie immer gilt sich ganz individuell auf das eigene Kind einzustellen. Manche Kinder genießen es, ganz, ganz sanft und leicht berührt zu werden. Andere brauchen eher flächige, haltende Berührungen, um abschalten zu können. Es kann ein schöner Prozess sein, sich gemeinsam mit dem Kind auf den Weg zu machen, herauszufinden, was sich wirklich gut anfühlt. Was natürlich auch variieren kann, je nach Tag.

 

Massage, Streicheln, Eincremen, Haare brüsten und Kopf massieren, Füße streicheln, kraulen, kuscheln, ganz fest halten, mit einer Feder streicheln, oder einem kleinen Stück Fell, oder einem Massageball und und und. Es gibt so viele Möglichkeiten!

 

Ein regelmäßiges Ritual zu schaffen, kann für einen guten Ausgleich für das hochsensible Nervensystem der Kinder sorgen. Jeden Abend sich bewusst und achtsam fünfzehn Minuten Zeit dafür zu nehmen, mit Entspannungsmusik, oder einem gut riechenden Öl, bringt echte Qualität und stärkt die Bindung zueinander.

 

Da beim Berühren IMMER die eigenen Gefühle und Haltung und Themen irgendwie mitspielen, sollte man sich darüber bewusst sein. Der, der berührt wird, nimmt auch die Energie des anderen auf die eine oder andere Art wahr. Und bei hochsensiblen Menschen ist das natürlich wie immer etwas intensiver.

 

Deswegen lade ich dich ein, bevor du dein Kind massierst etc. dich gut mit dir selbst zu verbinden und dich gut zu spüren. Berühre dein Kind dann mit Präsenz, auch über deine Energie. Du kannst dich z.B. an eine schöne Situation in deinem Leben erinnern, dich mit diesem Gefühl verbinden und aus diesem schönen Gefühl heraus, beginnen dein Kind zu massieren. So beschenkst du dein Kind mit schöner Energie und schöner Berührung.

 

Ich merke beim Schreiben, dass ich dazu bestimmt noch mehr Schreiben werde.. das Thema ist so spannend und ich habe das für mich persönlich wirklich lange, lange Zeit völlig unterschätzt.

 

 

Wie geht es dir mit dem Thema Berührung?

 

 

Wirst du gerne berührt?

Berührst du gerne andere?

Wie fühlst sich Berührung für dich an?

Welche schönen Erinnerungen hast du ans berührt werden?

Welche Berührungen haben sich in nicht gut für dich angefühlt?

Wie geht ihr in eurer Familie mit Berührungen um?

Genießt dein Kind Berührungen?

 

Vielen Dank fürs Lesen! Ich hoffe ich konnte euch ein bisschen inspirieren und falls ihr zu dem Thema Fragen und Input habt, her damit!

 

Alles Liebe

Kinder sind so bunt wie die Welt! Lassen wir uns von ihnen verzaubern!

 

Fotos: https://pixabay.com

 

 

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