Ich schreibe so oft darüber, dass hochsensible Kinder viel Zeit brauchen und Schwierigkeiten mit Veränderungen haben. Heute drehe ich den Spieß um und möchte davon berichten, was ihnen guttut, ihnen leicht fällt und womit du sie super unterstützen kannst.

 

Hochsensible Kinder lieben Struktur, weil sie ihnen die Möglichkeit gibt sich vorzubereiten, sich auf etwas einzustellen, den Überblick bewahren können und sie verlässlich ist. Und deswegen nutze ich das als Erzieherin auch immer, als ein ganz bewusstes Mittel, um diesen Kindern Sicherheit zu geben. Im Folgenden gebe ich dir ein paar Beispiele, die dich auch für deinen Familienalltag inspirieren können.

 

 

Vorbereiten

 

 

Wenn ein neuer Abschnitt im Tagesablauf ansteht, spontan etwas anders geplant ist als sonst, oder ein besonderes Ereignis bevorsteht, dann suche ich mit dem Kind DAVOR das Gespräch. In einer bestenfalls ruhigen Atmosphäre erkläre ich was als nächstes passieren wird und bespreche, wie das Vonstattengehen wird. Es kann sein, das ein Kind sich wünscht, bei einem besonderen Ereignis z.B. einer Geburtstagsfeier neben der Erzieherin sitzen zu dürfen, oder sich lieber in Ruhe im Gruppenzimmer umziehen möchte, anstatt mit 20 anderen Kindern um Flur. Bei einem geplanten Ausflug ist es hilfreich, im Vorfeld zu besprechen, mit wem das Kind gerne an der Hand laufen möchte. So bekommt das Kind genügend Informationen, kann sich einstellen und es wird ihm Sicherheit angeboten, wenn es diese braucht.

 

 

Rituale

 

 

Gleichbleibende, regelmäßige Rituale, die einen Übergang einläuten, helfen hochsensiblen Kindern ungemein in allen Situationen, sowohl beim „ins Bett gehen“, als auch beim Bringen, oder Abholen im Kindergarten. Besonders ein Verabschiedungsritual bietet dem Kind Verlässlichkeit und Orientierung!

Beispiel: Du bringst dein Kind in den Kindergarten, du hilfst ihm beim Umziehen in der Garderobe, ihr geht gemeinsam in die Gruppe und begrüßt die Erzieherin, ihr geht gemeinsam zum Fenster, du gibst deinem Kind einen Kuss und drückst ihm sein Lieblingskuscheltier in die Hand, du verlässt den Gruppenraum und die Erzieherin ist bei deinem Kind, du bleibst von außen am Fenster stehen und winkst oder schickst einen Luftkuss und dann gehst du.

 

 

Sichtbarkeit von Abläufen

 

 

Gerade in Anfangszeiten von der Eingewöhnung oder einem ganz anderen Tagesablauf als sonst, kann es helfen einen Plan zu machen. Einen kindgerechten Plan mit Fotos oder Bildern, die dein Kind versteht und natürlich macht ihr den Plan gemeinsam. Dein Kind darf ausschneiden, kleben etc.

Beispiel aus dem Kindergarten:

In einer Einrichtung habe ich ein Kind erlebt, was wirklich große Unsicherheiten in der Eingewöhnung gezeigt hat. Eine Kollegin kam auf die tolle Idee, mit diesem Kind einen Tagesablaufplan für die Kitazeit zu erstellen. Sie dröselte also den gesamten Tag auf.
Ankommen – Morgenkreis – spielen – Spielplatz – Händewaschen – Mittagessen – Schlafen – spielen – Abholen (ganz grob) und es gab veränderbare Elemente, so dass sie morgens individuelle dem Tag entsprechend mit dem Kind den Plan machen konnte. Dazu gab es einen roten Punkt und den konnte das Kind immer an die jeweilige Station selber hängen (super wichtig). Ergebnis, das Kind war stolz, hatte Spaß daran und konnte besser mit seinen Unsicherheiten umgehen, weil es auf der einen Seite total gesehen und gewertschätzt wurde, auf der anderen Seite wirklich selber sehen konnte, wo es sich gerade im Tag befand.

 

Dieses Beispiel lässt sich auch auf einen Wochenplan anwenden, oder eine bestimmte Zeit am Tag, wenn z.B. die Abendzeit bewusst gestaltet werden möchte. Natürlich ist das eine ganze Menge Arbeit, aber es nimmt dir im Endeffekt unglaublich viel Stress und Arbeit ab, wenn dein Kind für solche Methoden empfänglich ist.

 

 

Wichtig

 

 

Bei all den Ritualen und Strukturen ist aber auch wichtig hochsensible Kinder darin zu fördern sich neuen, spontanen und ungeplanten Situationen zu stellen. Dazu braucht es entspannte Erwachsene, die das Kind bewusst und präsent begleiten und den Raum halten können, für die Ängste und Unsicherheiten. Es gibt hochsensible Kinder, die sich wahnsinnig an Absprachen und Ritualen festklammern und hier ist es wichtig, zu erkennen, wann das Kind abhängig wird von Planbarkeit etc.

 

Du kannst durch eine gewisse Struktur dein Kind darin unterstützen, besser mit seinen Ängsten und Unsicherheiten umzugehen. Du solltest aber ein wachsames Auge dafür haben, wann dein Kind in echte Ängste kommt, sobald die Orientierung wegfällt. Wie immer gilt es eine gute Balance zu finden.

 

Auf das Beispiel mit dem Tagesablauf für das Kind bezogen, bedeutet das, dass das Kind daran herangeführt wird mit weniger Zeit begleitet zu werden. Also anstatt den Tagesplan lang und ausgiebig zu besprechen, fällt die Besprechung knapper aus, irgendwann wird der Tagesplan nur durch Worte ersetzt, dass heißt das Kind wird einfach informiert, wenn ein neuer Übergang stattfindet. Wenn das Kind sich an den Tagesbaluf gewöhnt hat und ihn geübt hat, wird der Tagesplan weggelassen und das Kind dann vorbereitet, wenn es um außergewöhnliche Dinge geht, wie einen Ausflug etc.

 

 

In diesem Sinne geht es wie immer auch ganz individuell um euer Kind und eure gute Beobachtung!

 

 

Fotos: pixabay.com

 

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