In meinem letzten Blogartikel habe ich darüber geschrieben mehr Träume zu wagen, sich zu trauen! Heute möchte ich dieses „Trauen“ auf den Umgang mit unseren hochsensiblen Kindern übertragen.

Deinen Kindern etwas zuzutrauen und ihnen zu vertrauen, das ist das A und O, damit sie ein gutes Selbstbewusstsein entwickeln können. Doch warum fällt es uns, als Erwachsene so schwer loszulassen und den Kindern den Raum zu schenken ihre eigenen Erfahrungen zu machen, auch wenn sie dabei scheitern könnten?

 

 

Weil wir uns Sorgen machen!

Weil wir Angst um sie haben!

 

 

Und dennoch ist es unsere Aufgabe als Erwachsene die Kinder mit unseren eigenen Ängsten nicht zu blockieren!

Ich erlebte das kürzlich sehr eindrucksvoll am eigenen Leib und es hat mir die Augen geöffnet! Nicht jeder in meinem ganz direkten Umfeld sagt „Juchu“, bei meinen Plänen und Entscheidungen für 2018. Ich gebe Sicherheit auf, wo ich im April arbeiten werde ist ungewiss und überhaupt ist das, was ich jetzt mache nicht das was „man“ halt so macht.

 

 

An dieser Stelle mein erster Tipp:

 

Bitte argumentiert niemals bei euren Kindern mit den Worten

„Weil man das so macht“ oder „Weil das normal ist“

Denn wer zum Teufel ist eigentlich dieser „man“??????? Und verdammt nochmal, das mit dem Normalsein wird als hochsensibler Mensch sowieso nie klappen. Aber das ist nicht schlimm! Schlimm ist es nur, wenn ein hochsensibler Mensch versucht, normal zu sein/werden. Dann verrät er sich selbst und wird in der Regel auf irgendeine Art und Weise krank.

 

 

Ich erlebte so eine „man“ Situation mit einem für mich sehr wichtigen Menschen, von dem mir die Anerkennung extrem wichtig ist. Seine Reaktion auf meine Zukunftspläne war für mein hochsensibles Empfinden ablehnend und zweifelnd. Und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr mich das umhaute! Denn plötzlich zweifelte ich wieder selber! Gerade eben war ich noch so stolz auf mich selbst gewesen und freute mich auf drei Monate Schreiben und darauf „Bunte Kinder“ so richtig voranzubringen und „peng“ saß ich in all meinen negativen Glaubenssätzen fest und wusste nicht mehr, ob meine Entscheidungen richtig gewesen waren. Ich heulte einen Abend durch, dann wurde ich sauer, dann wieder traurig und schließlich schaffte ich es, das Gespräch zu suchen. Gott sei dank! Denn worum ging es? Um Ängste und Sorgen, um mich! Und das kann ich verstehen. Was aber hätte sich meine Seele so sehr gewünscht und was hatte mich eigentlich innerlich so verletzt?

Das Gefühl, dass mir so ein Lebensschritt nicht zugetraut wird! Was wiederum meine alten Glaubenssätze hervorholte und ich somit genau das anzweifelte, wofür ich die letzten Monate alles gegeben hatte.

 

 

 

Was hat meine Geschichte nun mit deinem Kind und dir zu tun?

 

Gerade als Mutter oder Vater von einem hochsensiblen Kind stehst du vor einer besonderen Herausforderung. Denn dein Kind ist anders. Das ist manchmal vielleicht sogar ganz schön, aber manchmal auch ziemlich schwer auszuhalten. In den Facebookgruppen zu dem Thema tauschen sich die meisten Eltern aus, weil sie sich Sorgen um ihre Kinder machen, weil sie nicht wissen, was richtig und was falsch ist und weil sie nicht wissen, wie sie mit ihrem Kind umgehen sollen. Ganz oft kommt dann noch ein gesellschaftlicher Druck dazu, oder Vorstellungen was „normal” sein soll und die Ängste werden rießengroß.

 

Doch was passiert mit diesen Ängsten? Du musst dir eins bewusst machen, Du hast ein hochsensibles Kind! Dieses Kind wird deine Ängste noch viel mehr spüren, als andere Kinder und diese Ängste werden es beeinflussen!

 

 

 

Deine Ängste bleiben nicht in dir drin. Du drückst sie aus. Durch deine Stimme, deine Mimik und Gestik, durch deine Worte und dein Handeln. Du schickst deinem Kind damit eine Botschaft. Und diese Botschaft kann ein hochsensibles Kind blockieren und die Basis für merkwürdige innere Glaubenssätze sein, die du niemals schaffen wolltest!

 

 

Ich hatte das Problem, mir die Angst nicht eingestehen zu können. Ich machte sie mir zum Feind statt ihr offen ins Auge zu schauen mich ihr zu stellen. Daraus habe ich gelernt. Heute lautet mein Credo: Mach dir die Angst zum Freund, stell dich deinen Ängsten und lauf ihnen nicht davon! Denn die Auseinandersetzung mit ihr wird dich stärker machen….

Alexander Hueber

 

 

Deswegen ist es deine Aufgabe dir deine Angst anzusehen! Und zu lernen mit ihr umzugehen. Deine Ängste haben erstmal nichts mit deinem Kind zu tun, sondern mit dir! Mit deinen eigenen Erfahrungen! Es kann ein befreiender Prozess sein, seine Ängste genauer zubetrachten.

Fang doch direkt damit an!

 

 

 

 

Ein Beispiel:

 

Dein sechsjähriges Kind möchte auf einen Baum klettern. In deinem Kopf explodieren lauter Horrorszenerien, was alles schief gehen könnte und du verbietest deinem Kind das Klettern. Was für eine Verschwendung!

 

Mache dir bewusst:
Du nimmst deinem Kind eine tolle Erfahrung und Entwicklungsmöglichkeit. Das Kind kann beim Klettern seinen Körper spüren, seine Grenzen erfahren, es wird sich als mutig erleben und das wird sein Selbstbewusstsein stärken. Vielleicht wird es auch scheitern und muss einen anderen Weg suchen den Baum hochzuklettern. Vielleicht gibt es eine Stelle, bei der es deine Hilfe benötigt und es kann lernen, dass Erwachsene einen dabei unterstützen seine Ziele zu erreichen

 

 

Du hast zwei Möglichkeiten

 

  • Suche eine Lösung für dich (das ist die leichte Variante). Du entscheidest dass es zu gefährlich ist und nimmst deinem Kind damit die Möglichkeit eigene Erfahrungen zu machen und du signalisiert ihm damit.

          ICH TRAUE DIR DAS NICHT ZU

 

  • Oder du suchst eine Lösung für dein Kind! Damit veränderst du die komplette Perspektive der Situation! Ja, du hast Angst! Und ja, das ist in Ordnung und kannst du in der nächsten halben Stunde auch nicht ändern (vielleicht doch? ). Da ist aber dieser Kletterbaum und dein Kind, was so Lust hätte, da hoch zu klettern. Wenn du dein Kind anschaust, siehst du, dass es das wirklich gerne machen möchte. Dann VERTRAUE deinem Kind. Vertraue darauf, dass dein Kind in sich drin ganz genau weiß, was gut ist und was nicht!

 

 

 

 

 

 

Mit meiner Kindergartengruppe war ich auf einem Spielplatz mit einem wirklich hohen, spinnenartigen Klettergerüst. Die Kinder waren total begeistert und herausgefordert. Meine Kolleginnen und ich beobachteten fasziniert, was passierte. Am Anfang kletterten die Kinder ungefähr bis zur Hälfte. Das eine, oder andere rief beim Runterkommen um Hilfe (was auch total in Ordnung ist, denn dann spüren sie, dass sie an ihrer Grenze sind). Mit der Zeit wurden sie immer mutiger, kletterten eine Stufe höher, kamen mit dem Runterklettern besser klar und schließlich trauten sich ein paar sogar bis nach ganz oben. Ich hab es unten lauthals gefeiert und wurde mit vor Stolz glänzende Kinderaugen beschenkt. Was glaubst du, wie sie an diesem Tag gewachsen sind! Übrigens habe ich nicht unterm Gerüst gechillt, sondern die Kinder genau beobachtet und durch meine Worte begleitet und ihnen dadurch Sicherheit und Präsenz vermittelt.

 

Ich sage ihnen immer, dass sie auf ihr Gefühl hören sollen. Wenn es sich gut anfühlt, ist alles super, wenn es sich nicht mehr gut anfühlt, dann müssen sie auch nicht weiter klettern. Das machen sie aber sowieso. Ich verstärke es nur ein bisschen.

 

 

Zurück zu unserem eigentlichen Beispiel

 

 

Wenn du so eine Situation einfach nicht aushalten kannst, dann suche, wie gesagt nach einer Lösung.

 

  • Wer kann beim nächsten Mal mit deinem Kind auf den Spielplatz gehen, der dein Kind beim Klettern unterstützen kann?

 

  • Oder welche Person tut dir selbst so gut, dass du es schaffst, mit ihrer Hilfe so eine Situation zu meistern?

 

 

 

Dein Kind wird deine „Angstenergie“ selbstverständlich spüren! Aber auch hier hast du die Möglichkeit etwas zu ändern.

 

  • Du kannst die Angst da sein und dich und dein Kind beherrschen lassen.

 

  • Du kannst aber auch der Angst „Hallo“ sagen, lernen mit ihr umzugehen und sie deinem Kind erklären (damit meine ich nicht, dass du deinem Kind ausführlich erklären sollst, was dir selbst passiert ist, was du für Horrorvorstellungen in deinem Kopf hast etc. Dein Kind ist nicht dein Gesprächspartner für deine Ängste. Dein Kind muss verstehen, dass es DEINE Angst ist und es deswegen trotzdem nach seiner eigenen Vorstellung handeln kann und DARF)

 

 

 

Wenn dein Kind versteht, dass deine Angst DEINE Angst ist, ist viel gewonnen. DU hast diese Angst! Aber DU vertraust deinem Kind. Du könntest deinem Kind das ganz klar kommunizieren. Es geht darum, mit der Angst zu leben und einen Umgang mit ihr zu finden. Anstatt dich von ihr beherrschen zu lassen und damit dein Kind in seiner Entwicklung zu blockieren.

 

zum Beispiel:

“Ich hab gerade echt ein bisschen Angst davor, dass du auf den Baum kletterst. Das liegt daran, dass ich Angst habe, dass du dir weh tust. Aber ich halte meine Angst jetzt einfach aus und schau dir beim Klettern zu. Wenn du Hilfe brauchst, bin ich da. Ich finde es mutig, dass du dich das traust.“

 

 

 

 

Dein Kind wird seinen einzigartigen Weg gehen

 

 

Jedes Kind ist EINZIGARTIG und wird seinen EIGENEN Weg gehen. Niemand ist wirklich normal und jeder hat seine eigenen Lebensthemen. Wir Erwachsene müssen lernen dem inneren Kern der Kinder zu vertrauen. Wir sind nicht dafür da ihnen zu zeigen, was richtig , oder falsch ist und wie „man“ das halt macht. Sondern wir sind dafür da, sie zu begleiten! Sie zu unterstütze ihren eigenen Weg zu finden! Und das bedeutet, dass Kinder Dinge tun, die wir als Erwachsene vielleicht anders tun würden. Aber das ist okay. Es ist sogar für mich persönlich oft eine bereichernde Erfahrung, die Perspektive zu wechseln und mich auf eine andere Sicht, oder Herangehensweise einzulassen.

 

 

 

 

Menschen wachsen durch ihre Erfahrungen! Wir unterstützen Kinder ganz konkret, wenn wir ihnen unser Vertrauen schenken. Dann lernt das Kind auf seinen eigenen Kern zu vertrauen und mutige Schritte in die Welt hinein zu machen. Du kannst dein Kind mit unzähligem Spielzeug beschenken, es wird niemals den gleichen Effekt haben, wie wenn du deinem Kind dein Vertrauen schenkst!

 

Trau dich! Trau dich, deinem Kind zu vertrauen und ihm Dinge zuzutrauen! Und lass dich überraschen!

 

 

 

 

Über das Scheitern

 

 

Scheitern gehört zu unserem Leben dazu. Auch dein Kind wird Fehler machen, an etwas Scheitern oder mal vom Baum fallen. Hier bist du als Vorbildfunktion soooo wichtig. Wie gehst du mit dem Thema „Scheitern“ um? Was lernt dein Kind dadurch?

 

 

Bei meinem ersten Vorstieg am Fels scheiterte ich kolossal. Bis zum ersten Sicherungshaken waren es sicherlich 1 ½ Meter, die ich ungesichert hoch musste. Ich hatte Angst. Kletterte los, setzte den Fuß nicht ordentlich, rutschte ab und schlitterte den Fels nach unten. Meine Kletterpartnerin fing mich, Gott sei dank auf und wir mussten erstmal den Schock verdauen, denn hinter uns ging es steil nach unten und das Ganze hätte ordentlich in die Hose gehen können. Ich atmete tief durch, meine Kletterpartnerin sicherte sich zusätzlich am Fels und ich kletterte wieder hoch. Dieses Mal mit Erfolg! An dem Tag habe ich noch einige schöne und herausfordernde Routen geklettert, alle im Vorstieg und ich war soooooo innerlich glücklich, als wir den Heimweg antraten. Und wisst ihr, wem ich besonders dankbar bin? Meiner Kletterpartnerin, die mich sofort diese erste Route wieder hochschickte und mir sagte, dass ich das kann und dass es wichtig ist, dass ich das nochmal probiere! Wie Recht sie doch hatte! Und es gab mir Kraft, dass ich spürte, dass sie wirklich davon überzeugt war, dass ich das schaffen konnte.

 

 

Deswegen ist scheitern nicht schlimm. Scheitern hilft dir die Dinge noch einmal genauer anzusehen. Die Ausgangssituation zu verändern, bewusster zu handeln, besser in dich hineinzuhören und dann einen nächsten Versuch zu wagen.

 

Dein Kind kann nicht davon profitieren, wenn du es davor bewahrst zu scheitern. Dein Kind wächst dadurch, dass es scheitert und eine Lösung für das Problem findet. Und dabei kannst du ihm helfen, es begleiten und Vorbild sein!

 

 

 

 

Fazit:

 

 

Betrachte deine eigenen Ängste und lerne sie von deinem Kind zu trennen

Vertraue deinem Kind!

Traue deinem Kind etwas zu! Und ermutige es dabei!

Scheitern ist eine wichtige Lebenserfahrung! Die Frage ist, wie geht ihr damit um!

 

 

 

Ich habe durch die letzten Wochen und Monate eigentlich erst wirklich begriffen, wie wichtig dieses Thema für das eigene Selbstgefühl ist. Ich fühle mich so reich beschenkt, wenn Menschen mir sagen, dass sie mich unterstützen und hinter mir stehen, denn damit sagen, sie dass mir vertrauen und mir meine Ideen auch zutrauen. Und ich habe so lange gebraucht, um mir selbst zu vertrauen! Jetzt habe ich mich ganz verrückte Dinge getraut, kann es manchmal selbst nicht fassen, aber es fühlt sich so verdammt richtig an.

 

Weil ich meinen inneren Kern nicht nur spüre, sondern ich endlich die Kraft habe mir selbst zu trauen!

 

 

Du kannst schon jetzt einen Samen in deinem Kind pflanzen, damit es nicht so sehr an sich selber zweifeln muss und vor allem, damit es lernt, auf seinen eigenen Kern zu vertrauen.

Hochsensible Kinder sind viel „anfälliger“ für Selbstzweifel, Perfektionismus und dem Gefühl sich anpassen zu müssen, um normal zu sein. Wir machen ihnen das größte Geschenk, wenn wir ihnen schon als Kinder zeigen, dass sie genau richtig sind! Dass es völlig in Ordnung ist andere Wege zu gehen und dass wir als Erwachsene hinter ihnen stehen, sie ernst nehmen und sie dabei unterstützen ihre eigenen Lösungen zu finden.

 

 

 

Input:

 

Wie es der Zufall manchmal so will, bin ich nach dem Schreiben von diesem Artikel über ein inspirierendes Interview von André Stern gestolpert. Den Link dazu findest du hier. Wer sich mal so richtig inspirieren lassen möchte, dem kann ich in dem Kontext noch den Film “Alphabet” empfehlen. Das hat mir damals die Augen geöffnet!

 

 

 

Ich danke euch fürs Lesen

Kinder sind so bunt wie die Welt! Lassen wir uns von ihnen verzaubern.

Verena

 

Quelle:
http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Mach-dir-die-Angst-zum-Freund-id27429552.html

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