Heute stellt sich die wunderbare Julia im Interview vor und ihre Töchter Paulina und Matilda! Sehr spannen fand ich, dass Julia von ihrem Kinderarzt und einer Psychologin auf das Thema Hochsensibiltät gebracht wurde. Außerdem ist Julia auch Bloggerin und schreibt auf “Glücksschätze” über ihr Leben mit ihren hochsensiblen Kindern.

 

 

Wenn du Lust auf Austausch hast, dann komm in meine Facebookgruppe:
“Facettenreichtum hochsensibler Kinder” 

 

 

Liebe Julia, stell dich und deine Tochter doch einmal kurz vor.

Ich heiße Julia, bin 31 Jahre alt und Mutter von Paulina 3 1/2 Jahre alt und Matilda 1 Jahr alt. Wir wohnen ganz im Norden in der Nähe von Kiel.

 

 

Was ist dir an deiner Tochter schon immer besonders aufgefallen?

Paulina war schon als Baby sehr “fordernd”, abends saßen wir bis zu 2 Stunden auf dem Hüpfball, um sie zu beruhigen, wir haben sie durch die Wohnung getragen und zum Schluss gepuckt, was sie besonders gerne mochte. Sie wollte/ musste sich selbst spüren, um runterzufahren. Sie hat wenig geschlafen und ruhig und durch geschlafen auch nur in ihrem Bett/ Kinderwagen/ Auto.

Sie mochte es von Anfang an sehr unter und mit vielen Menschen zu sein.

Ich musste sie berufsbedingt mit in meinen Kindergarten nehmen, in dem ich als Leitung tätig bin, und sie hat die ganzen vielen fremden Kinder und die anderen Personen geliebt, sie wurde nörgelig, wenn wir mal nicht da waren, oder wenn es Wochenende war. Sie brauchte von Anfang an viel Trubel um sich rum, abends ist sie dann auch schnell eingeschlafen, aber auch genauso schnell wieder aufgewacht. Damals war sie gerade mal 7 Monate alt.

Paulina ist ein seeeeehr aufgeschlossenes Kind, spricht jeden an, redet mit jedem und nimmt die zwischenmenschlichen Beziehungen sehr genau war. Sie ist unglaublich emphatisch und das schon, seit sie 2 Jahre ist. Sie spricht richtig seit sie 1 1/2 Jahre ist und hat immer schon alle Gefühle benannt. Sie hasst Streit und versucht immer zu schlichten, ihr ist Harmonie unglaublich wichtig. Manchmal spürt sie etwas in sich kann es aber nicht benennen und versucht dann Vergleiche zu finden.

Ich musste letztens erst eine Blume kaufen, weil diese ihrer Meinung nach soo traurig war und die anderen Blumen sie geärgert haben, weil sie nicht so schön blüht wie die anderen… Wir durften keinen Weihnachtsbaum haben, weil sie nicht wollte, dass ein Baum stirbt, damit wir es schön haben… Das sind nur kleine Beispiele.

Sie hat auch ihre Trotzphasen, aber meistens dann, wenn sie müde ist oder sich ungerecht behandelt fühlt bzw. nicht verstanden. Sie nimmt unglaublich viel Rücksicht auf ihre kleine Schwester. Aber sie braucht jeden Tag Aktion, mal zu Hause einfach mal nichts tun, ist für sie nichts… Aus dem Grund denke ich, dass sie extrovertiert und eventuell auch ein Seeker ist.

 

 

Du hast mir geschrieben, dass die Hochsensibilität deiner Tochter von deinem Kinderarzt und einer Kinderpsychologin erkannt wurde. Wie kam es dazu?

Die Psychologin haben wir im Sommer letzten Jahres aufgesucht, da Paulina große Probleme beim Hinfallen hatte, sie ist JEDESMAL auf ihren Kopf bzw. Gesicht gefallen, sie hat die Hände nicht nach vorne genommen. Das kam uns und der Kinderärztin komisch vor weil sie sonst überdurchschnittlich weit entwickelt ist, im motorischen wie auch im kognitiven Bereich. Der Kinderarzt hat uns dann zu einer Krankengymnsatin geschickt, die uns aber nicht weiter helfen konnte, die aber den Verdacht mit den persistierenden Reflexen geäußert hat. Daraufhin haben wir eine Kinderpsychologin gefunden, die sich in dem Bereich sehr gut auskennt und haben mit ihr mehrere Treffen gehabt.

Zwischen dem 1. und dem 2. Treffen fand die U7a Untersuchung statt, bei der mich die Kinderärztin aufgrund des Verhaltens, was Paulina zeigte, ansprach, dass sie bei ihr Hochsensibilität vermutet. Kurz nach der U7a hatten wir das zweite Treffen mit der Psychlogin, die dann auch Hochsensibilität aufgrund ihres Verhalten vermutete beziehungsweise nach ein paar Tests diagnostizierte.

 

 

Mit welchem Verfahren wurde deine Tochter diagnostiziert? Meines Wissens nach gibt es das für Hochsensibilität nicht, da das keine Krankheit ist und somit eine Diagnostik gar nicht möglich ist.

Also beim Kinderarzt wurde es nur gesagt und bei der Psychologin wurde komplette Anamnese gemacht von der Familie und dem Kind, es wurden mir unterschiedliche Fragen zum Verhalten gestellt und Paulina wurde befragt. Anhand dessen sagte sie danach, das sie das ist und eine erhöhte Sensibilität gegenüber gleichaltrigen Kindern aufweist wonach eben davon ausgegangen werden kann.

 

 

 

Wie hast du dich damals gefühlt?

Um ehrlich zu sein erleichtert, ich hatte einen Namen, einen Grund für ihre besonderen Antennen und Empfindungen uns es war nichts schlimmes, das hat mich beruhigt. Sie hat keine Krankheit, sie ist nicht komisch, nur besonders feinfühlig…

 

 

Wo hast du dich informiert und wie ging es dir dabei? Gerade die Extrovertiertheit von hochsensiblen Kindern ist einem oft nicht so bewusst, wie erging es dir damit?

Ich habe erstmal viele Bücher gelesen, dann bei Facebook nach Blogs und Gruppen gesucht, Gegoogelt, mich mit mehreren Bekannten ausgetauscht, die auch hochsensible Kinder haben und dann habe ich angefangen zu bloggen, um mir das auch mal von der Seele zu schreiben. Es ist wirklich nicht schlimm, aber man muss im Umgang eben mehr bedenken, man muss lernen sich viel mehr zu reflektieren und ich habe meine komplette Erziehung nochmals überdenken müssen, auch im Hinblick auf meine kleine Tochter.

 

 

Inwiefern hast du deine Erziehung neu überdacht und verändert? 

Teilweise habe ich bei neuen Situationen gedacht, das sie sich nicht so anstellen soll, es ist doch nichts schlimmes am duschen, aber sie wollte nicht, weil sie nicht wollte, das das Wasser verschwindet und sie nicht weiß wohin. Aber seit ich mehr um ihre Empfindungen weiß, erkläre ich ihr ganz viel und gebe ihr die Zeit, die sie braucht Sachen zu verarbeiten.
Auch versuche ich geduldiger im Umgang mit ihr zu sein, sie beobachtet unglaublich viel und lässt sich leicht ablenken. Da kann das Schuhe ausziehen im Kindergarten schon mal ne viertel Stunde dauern.

 

 

Was hat sich für dich im Umgang mit deinem Kind verändert, seitdem du über Hochsensibilität bescheid weißt?

Zum Glück nicht viel, denn dadurch dass ich täglich mit Kindern arbeite, habe ich intuitiv schon viel richtig gemacht, sie und ihre Gefühle versucht ernst zu nehmen. An unserer Beziehung hat sich aber einiges verändert, seitdem ich begriffen habe, dass sie mich und mein Verhalten 1:1 wiederspiegelt, wenn es mir nicht gut geht, oder ich gestresst bin, Sorgen habe.

Dann merke ich es wieder ganz stark…diese Antennen. Sie sagt auch, dass sie was spürt, aber das sie das nicht greifen kann und dann fragt sie mich :”Oder hast du heute was?” und dann muss ich schlucken, aber ich habe mir angewöhnt ihr ganz offen zu sagen, wenn es mir nicht gut geht, oder ich mir grad Sorgen machen. Ich sage ihr meistens nicht warum, denn das würde ihre Seele zu sehr belasten, wenn es nicht kindgerechte Sachen sind, um die sie sich auch gar keine Sorgen machen muss

 

 

 

 

Hast du dein Umfeld an deinen neuen Sichtweisen teilhaben lassen und wie hat es reagiert?

Ich habe ganz offen darüber gesprochen aber von den meisten kam nur ein “Aha, naja dann….”, viele wissen gar nicht, dass es das gibt, oder was es bedeutet. Ihre Großeltern sind da leider am schlimmsten, die nehmen überhaupt keine Rücksicht, sondern sind der Ansicht, da muss sie durch…wenn es beispielsweise darum geht, dass Ausflüge kurzfristig abgesagt, oder umgeplant wurden oder Übernachtungen. Wir können nicht woanders übernachten, da kommt Paulina nicht zur Ruhe, sie kann nicht einschlafen und ist die ganz Nacht wach. Das können sie einfach nicht verstehen und denken, wir würden sie nur vorschicken und das macht mich wütend oder eher gesagt traurig, dass man sich damit auch überhaupt nicht auseinandersetzen möchte.

 

 

 

Wie gehst du mit dem Thema in der Öffentlichkeit um z.B. in der Kita oder Schule?

Ich habe schon mit den Erziehern in ihrem Kindergarten gesprochen. als wir es noch nicht offiziell wussten, da ich ja wusste dass sie sensibler ist, noch bevor wir eine Bezeichnung hatten. Danach habe ich nochmals um ein Gespräch gebeten und eigentlich nur mitgeteilt, dass es eben Hochsensibilität ist und die Erzieher gebeten, sie auch Veränderungen möglichst früh einzustellen und das klappt super.
Ich habe erst überlegt, ob ich sie in einen anderen Kindergarten geben soll, da ich mir die Frage gestellt habe, ob das in dem jetzigen mit 4 Ü3 Gruppen nicht zu viel ist und sie weniger bräuchte, aber dann habe ich mich an ihre Anfänge in meinem zurück erinnert, wie glücklich sie in dem ganzen Trubel war und denke, dass es eine sehr gute Entscheidung war, sie in ihrem Kindergarten zu lassen.

 

 

Denkst du, es ist wichtig, dass man als Mama weiß, dass das eigene Kind HS ist?

Ich denke, dass es am wichtigsten ist, dass man sein Kind ganz intensiv kennenlernt und versucht zu verstehen, wie es tickt und was ihm gut tut. Manche brauchen eine Diagnose so wie ich, damit sie wissen, dass es nichts schlimmes ist und man sich belesen und austauschen kann, andere handeln schon intuitiv richtig.

 

 

Welche Herausforderungen empfindest du als Mama mit einem hochsensiblen Kind als besonders?

Herauszufinden, wann es dem Kind zu viel wird. Herauszufinden, was dem Kind gut tut, braucht es Ruhe, braucht es Schlaf, braucht es eine Kuscheleinheit etc. Auch die Gedankengänge im Kopf nachzuempfinden, finde ich manchmal schwer, um dem Problem, was es vielleicht in einer Situation gerade gibt, auf den Grund zu gehen.

 

 

Was hast du von deiner Tochter gelernt?

Entschleunigung! Genauer hinzusehen, hinzuhören und vor allem zuzuhören.

Mich selbst zu reflektieren, ihr gegenüber transparenter zu sein.

Und vor allem dass ALLES zwei Seiten hat.

Aber das wichtigste das sie mich gelehrt hat…Hochsensibilität ist eine Gabe und die haben nur besondere Menschen

 

 

Was verzaubert dich an deiner Tochter?

Ihr Blick für die Welt, dass sie in allem das Gute sehen möchte, dass sie sooo unglaublich feinfühlig ist.

Sie wird mal eine Weltverbesserin!!!

 

 

Welche Bücher/Blogs/FacebookGruppen würdest du anderen Müttern empfehlen? 

 

Bücher kann ich empfehlen:
Empfindsam erziehen
Das gewünschteste Wunschkind treibt mich in den wahnsinn
Mein Kind ist hochsensible, was tun?
Leben mit hochsensiblen Kindern
Und das hochsensible Kind

Blogs:

Frieda Friedlich
Metterschling&Maulwurfen
Bunte Kinder

Facebook – Gruppe

Hochsensible Kinder und Eltern
HSK

 

 

Du bist auch Bloggerin! Möchtest du deinen Blog kurz vorstellen?

Ich schreibe erst sehr kurz und habe bisher auch nur über Facebook meinen Blog mit dem Namen Glücksschätze.
In dem Blog gehts um Hochsensibilität mit einem extrovertierten Kind. Das Leben mit ihr, was sie ausmacht, wie es sich äußert, der Umgang etc.
Lieblingsspiele, Bücher, was sich gut eignet, wie man sich als Mutter nach nem harten Tag entspannen kann, Austausch und für betroffene Eltern vielleicht auch ein Lichtblick, dass sie nicht alleine sind.

Hier kommt ihr zu Julias Blog

 

 

 

 

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