Es ist kurz vor Weihnachten, heute ist mein Geburtstag und am 20.12 habe ich mich von meinem Kindergarten verabschiedet. Eine Zeit in Bewegung und eine Zeit, die ganz viel mit Verbindungen zu Menschen zu tun hat.

 

Über diese Verbindung möchte ich heute schreiben. Diese Verbindung zu Menschen, die wir Liebe nennen. Ich meine damit nicht DIE Liebe zu EINEM bestimmten Menschen, sondern ich meine die Liebe zu Menschen, die ich aus meinem Herzen heraus gerne hab. Und davon gibt es ziemlich viele. Als hochsensible Frau spüre ich das besonders intensiv und den hochsensiblen Kindern geht es nicht anders. Mich mit anderen verbunden zu fühlen ist wie ein Geschenk.

 

 

 

Mein Abschied und warum nicht die Traurigkeit, sondern die Dankbarkeit überwiegt

 

 

 

Ich muss zugeben, ich hatte Angst vor dem Tag. Der Tag an dem ich meinen Abschied feiern würde und mich von den Menschen verabschieden müsste, die mich zehn Jahre meines Lebens begleitet hatten. Es ist ein furchbar seltsames Gefühl zu wissen, dass man viele Dinge zum letzten Mal tut. Ein letztes Mal den Morgenkreis machen, ein letztes Mal auf den Spielplatz gehen (ich hab mich von all meinen Pflanzen verabschiedet), ein letztes Mal dies und ein letztes Mal das. Eltern, die mir alles Gute wünschen und Kinder, die mich die ganze Zeit bekuscheln und mich nicht mehr loslassen wollen. Mein Herz fühlte sich so zittrig an. Ich wurde von allen Kindern in der Garderobe mit einem Lied und ganz vielen, leckeren Teebeuteln verabschiedet (ich bin bekennender Teejunkie) und konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten.

 

 

Früher dachte ich, so etwas darf mir bei der Arbeit nicht passieren. Zu weinen. Mittlerweile finde ich es so wichtig, authentisch zu sein und meine Gefühle zu zeigen. Und ich erklärte den Kindern, dass ich so traurig bin und viele sagten mir, sie seien auch traurig.Schon waren wir verbunden.

 

 

Ein wirklich emotionale Teil war der, bei dem ich mich von all meinen Kolleginnen persönlich verabschiedete. Bei manchen musste ich einfach wieder losweinen. Verdammte Hochsensibilität dachte ich mir… es reicht ja, wenn ich meine Traurigkeit spüre, aber noch die des anderen zu fühlen macht es nicht gerade leichter. Aber so bin ich.

Es würde den Rahmen sprengen hier über alle meine Gedanken zu schreiben, aber die Verabschiedungen, die mich richtig heftig berührten, waren die, bei denen ich gesehen wurde. Es gab Kolleginnen, die mir Dinge sagten, oder Dinge auf wunderschöne Karten, oder Briefe schrieben, die mich unendlich berührten. Aber nicht nur das. Diese Menschen hatten wirklich gesehen, was mich ausmachte. Diese Menschen sahen sehr wohl, dass ich irgendwie etwas anders war, aber sie sahen das Positive darin!

 

 

Ich habe viele, schöne Abschiedsgeschenke bekommen. Aber das größte Geschenk für mich war dieses Gefühl! Menschen waren gerne mit mir in Verbindung gewesen und Menschen hatten wahrlich gesehen, was meine Essenz ausmacht! Und sie schätzen mich dafür und manche hatte ich durch meine Art sogar inspirieren können.

Menschen zu öffnen, zu begleiten und zu inspirieren… das ist das, wofür ich hier auf dieser Welt angetreten bin. Keine Ahnung warum das ist, aber das ist meine Aufgabe und durch „Bunte Kinder“ nehme ich das zum ersten Mal richtig ernst. Aber wie schön ist es bitte, dass ich vielen Menschen genau so in Erinnerung bleiben werde!

 

 

Ich sitze also mit schwerem Herzen zu Hause und schreibe mit Tränen in den Augen diesen Blogartikel. Und bin gleichzeitig übervoll mit Dankbarkeit und Glück und ganz viel Liebe.

Und einer Erkenntnis! Für ein starkes Herz brauchen unsere Kinder genau das! Das Gefühl von Herzensverbindung und das Gefühl, dass sie GESEHEN werden.

 

 

 

 

Warum du dein hochsensibles Kind jeden Tag beschenken solltest

 

 

 

 

Und nein, ich denke jetzt nicht an ein neues, schickes Elsakleid, oder einen Legobausatz. Ich denke an Liebe. Und ich bin mir sicher, du liebst dein Kind von ganzem Herzen! Aber vielleicht, geht da ja noch mehr!

 

Gerade hochsensible Kinder sind durch ihre Feinfühligkeit besonders sensibel und spüren oft recht schnell, dass sie anders sind. Anders zu sein ist ganz wertfrei gesehen, nichts Schlimmes! Es geht nicht darum, dieses anders sein zu verhindern, denn das hilft dem Kind langfristig gesehen nicht weiter. Aber es geht darum, dem anders sein etwas Hilfreiches zur Seite zu stellen!

 

 

Anders sein kann schwer sein. Vielleicht hast du selbst Erfahrungen gemacht, bei denen du das Gefühl hattest nicht dazu zu gehören, irgendwie nicht reinzupassen, einfach ein Alien zu sein, oder doch bei der Geburt verwechselt worden zu sein? Ich für meinen Teil weiß manchmal nicht, wieso ich so bin, und meine Familie so anders. Meine Schulzeit war davon geprägt, dass ich eine Außenseiterin war und natürlich macht das etwas mit einem. Es macht vor allem etwas mit der eigenen Wahrnehmung und mit dem Bild, was man von sich hat. Ich habe mir in mühseliger Arbeit beigebracht, dass mein anders sein nicht schlimm ist und dass mich mein anders sein, nicht automatisch von anderen trennt, sondern ich trotzdem Verbindungen leben kann.

 

 

Ich wünsche mir so sehr, dass wir Kindern, diesen Weg ersparen. Indem wir ihnen das Gefühl schenken, dass wir sie sehen!

 

 

Dann steht neben dem anders sein noch ein weiteres Gefühl. Ein positives Strahlen, dass ich genau so, wie ich bin, okay bin. Und deswegen ist anders sein auch gar nicht schlimm! Ganz im Gegenteil kann anders sein ein ganz großer Schlüssel zu besonderen Wegen, großer Kreativität und intensiven Verbindungen sein.

 

 

 

 

Das Bild von den zwei Eimern

 

 

 

 

Stell dir das ganze vor, wie zwei große Eimer, die dein hochsensibles Kind mit sich herum trägt. In dem einen Eimer sammelt es unbewusst, all die Erfahrungen, bei denen es spürt, dass etwas anders ist.

 

Geräusche sind ihm viel schneller zu laut, Gerüche zu intensiv, vor manchen Kindern hat es Angst, kratzige Kleidung ist der Horror, an Stückchen im Essen könnte es ersticken und wenn die Mama traurig ist, wird es auch gleich traurig. Je älter dein Kind wird, desto eher wird es sich vergleichen. Wird beobachten, wie das bei anderen ist, wird von Kindern auch mal eine Rückmeldung zu seinem Verhalten bekommen, oder von Bezugspersonen. Es bastelt sich aus dem Inhalt dieses Eimers ein Stück von seinem Selbstbild.

 

 

 

Und da kommt der andere Eimer ins Spiel. Wir wollen natürlich, dass das Kind nicht nur sammelt, was anders an ihm ist. Wir wollen ein Gegenwicht! In dem anderen Eimer sammelt das Kind seine positiven Besonderheiten. Und die müssen wir ihm sichtbar machen!

 

Es ist so toll, wie du andere trösten kannst. Du kannst dich wirklich besonders gut an Dinge erinnern. Ich finde deine Spielideen so toll. Kannst du mir helfen, ich weiß gerade nicht, was deine kleine Schwester braucht. Das hat mir gerade so gutgetan, dass du mich einfach umarmt hast. Du hast Recht, daran hatte ich ja gar nicht gedacht. Und und und. Jedes Kind ist einzigartig und hat seine individuellen Stärken und Fähigkeiten. Wenn wir Kindern diese Stärken sichtbar machen, können sie von innen heraus wachsen und lernen ihrer eigenen Kraft zu vertrauen.

 

 

 

Hast du schon einmal etwas von Resilienz gehört? Und warum ist das gerade für dein hochsensibles Kind so wichtig?

 

 

 

 

Das ist die seelische Widerstandskraft, mit der ein Kind nicht nur seine Entwicklungsaufgaben, sondern auch Krisen meistert. Professor Fröhlich-Gildhoff

 

Ich würde behaupten hochsensible Menschen haben entweder besonders viel Resilienz, weil sie durch ihre Erfahrungen wahnsinnig gewachsen sind, oder sie sind gerade an ihrer Hochsensibilität gescheitert und sind in Krisenzeiten völlig hilflos.

Unser Ziel sollte sein, die Kindern so früh wie möglich darin zu stärken. Ich möchte hier aus einem Interview zitieren. Das ganze Interview findet ihr hier.

 

 

Wie erlangt ein Kind diese innere Stärke?

 

 

Resilienz ist nicht angeboren. Sie entwickelt sich vielmehr im Zusammenspiel zwischen einem Kind und den Erwachsenen, die es umgeben. Sie ist also das Ergebnis von sehr engen Beziehungen. Je nachdem, welche Lebenserfahrungen ein Kind macht, bildet sich seine seelische Widerstandskraft schwächer oder stärker aus. Eine wichtige Rolle übernimmt dabei die Bindung, die es zu seinen engsten Bezugspersonen, in der Regel Mutter und Vater, hat.

 

Dafür braucht das Kind aber feinfühlige Bezugspersonen, die seine Signale wahrnehmen, verstehen und prompt und angemessen darauf reagieren. Zudem muss ein Kind Wertschätzung erfahren und erleben, dass ihm etwas zugetraut wird. Mit dieser Unterstützung gelingt es Kindern, sich weiterzuentwickeln und mit Selbstvertrauen durchs Leben zu gehen. Professor Fröhlich-Gildhoff

 

Ein erster Schritt, um die Widerstandskraft deines Kindes zu stärken ist fleißig, den zweiten Eimer zu füllen! Dein Feedback ist wirklich Gold wert!

 

 

 

Wie ist das in deiner Kindheit gewesen?

 

 

 

 

 

Es ist wichtig sich bei diesem Thema auch mit der eigenen Vergangenheit zu beschäftigen. Aus unseren Erfahrungen heraus basteln wir unsere Welt, unsere Wahrnehmung der Welt und wirken dadurch auf andere.

 

 

Ich kenne das Gefühl „nicht gesehen zu werden“. Es ist tatsächlich ein richtiger Schmerzpunkt in mir. Doch aus diesem Schmerz ist meine besondere Stärke gewachsen! Es ist mir in meiner Arbeit mit Kindern soooooooooooo wichtig, dahinter zu schauen. Sie verstehen zu wollen! Nicht in Schubladen zu packen, nicht an die Norm anpassend zu erziehen… ich will sie sehen und ich will ihnen das Gefühl geben, dass ich sie so akzeptiere, wie sie sind! Und Kinder SPÜREN das! Die Hochsensiblen natürlich besonders.

 

 

Weihnachten steht vor der Tür und wir alle sind wie die Verrücken auf der Suche nach Geschenken. Und ja, es ist schön, etwas geschenkt zu bekommen. Ein neues Kleidungsstück, etwas Schönes zum Lesen und und und. Aber nachhaltig und für das Herz wahrlich beglückend ist es, wenn wir uns ehrliche Verbindung schenken. Wenn wir uns ehrliches Interesse, am anderen schenken und wenn wir uns bemühen die Schubladen nicht sofort aufzureißen, sondern versuchen dahinter zu sehen.

 

 

Denn dann entdecken und begegnen wir wundervolle Seelen.

 

 

 

Diesen Blogartikel möchte ich allen Kolleginnen, Eltern und Kindern aus meinem alten Kindergarten widmen. Danke für euer Vertrauen und eure Liebe! Und danke, an mein Küken. Die Verbindung zu dir hat mich für diesen Artikel inspiriert und der Abschied von allen hat diesen Artikel gefüllt. DANKE

 

 

 

 

 

Quellen: https://www.baby-und-familie.de/Entwicklung/Wie-entwickeln-Kinder-Resilienz-495627.html

Fotos: pixabay.com

 

 

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