Ich freue mich total auf mein erstes Mamainterview mit Julia! Julia schreibt als Mama von einer hochsensiblen Tochter auf ihrem Blog Frieda Friedlich zu ganz unterschiedlichen Themen des Familienlebens. Hier kommst du direkt auf ihren Blog. 

Für mich als hochsensible Erzieherin, aber Nicht-Mama, ist es sehr bereichernd immer mal wieder diesen Perspektivwechsel zu machen und ich habe mich wirklich gefreut, als sich Julia gleich bereit erklärte mir meine Fragen zu beantworten. Besonders spannend finde ich, dass Julia noch gar nicht so lange weiß, dass ihre kleine Frieda eine hochsensible Veranlagung hat. Ich war sehr neugierig zu erfahren, wie sie es überhaupt darauf gestoßen ist und wie sie jetzt damit umgeht. Und ich bin sehr begeistert von Julias Gelassenheit, ihrem liebevollen Blick auf ihre Tochter und der Offenheit mit der sie uns an ihren Gedanken teilhaben lässt.

Von ganzem Herzen vielen Dank für dieses tolle Interview liebe Julia!

Und jetzt wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen!

Liebe Julia, stell dich und deine Tochter doch einmal kurz vor.

 

Ich bin Julia (35) und lebe mit meiner kleinen Familie mitten im Großstadttrubel unserer schönen Domstadt Köln. Zu mir gehören mein Partner Guido, unsere (fast) 3 jährige Tochter Frieda, unsere kleine Hundedame Grete und die beiden Meerschweinchen Ratz & Rübe.

Was ist dir an Frieda schon immer besonders aufgefallen?

 

Unsere kleine-große Frieda war vom ersten Tag an ein Baby, das nie abgelegt werden konnte. Lediglich in meinen Armen oder in der Trage dicht an meinem Körper war sie glücklich und zufrieden. Neue Menschen, unruhige Situationen oder eine unbekannte Umgebung führte dazu, dass sie nicht zur Ruhe kam – auch no
ch lange danach nicht. Treffen mit anderen Müttern in einem Kindercafé brach ich nicht nur einmal ab, genauso wie den Schwimmkurs für Säuglinge. Sie wollte als Baby immer viel Nähe, gewohnte Abläufe und bekannte Menschen um sich herum. Frieda benötigte immer schon viele Erklärungen, Ruhepausen und viel Zeit zum Nachdenken und das ist bis heute so geblieben.

Wie bist du auf das Thema HS gestoßen?

 

Ich bin durch eine Leserin meines Blogs www.frieda-friedlich.de überhaupt erst auf das Thema Hochsensibilität aufmerksam geworden. In einem Beitrag schrieb ich über „Mein empfindsames Kind“ und berichtete von unseren Schwierigkeiten bei Friedas erster Kinderreitstunde, aber auch davon, wie wir es gemeinsam schafften und dass sie seitdem Feuer und Flamme für Pferde ist. Mein Beitrag wurde in einer Facebookgruppe über hochsensible Kinder geteilt. Ich nahm einfach mal Kontakt auf und fragte genauer nach. Viele von mir beschriebenen Aspekte konnten ziemlich deutlich für ein HSK sprechen und so begann ich mich einzulesen und zu informieren. Seitdem befinde ich mich auf einem spannenden Weg.

Wie hast du dich gefühlt, als du das erste Mal darüber gelesen hast?

 

Mir fiel es, trotz meiner zwiespältigen Gedanken und der Zweifel, irgendwie wie Schuppen von den Augen. Das, was ich las, beschrieb fast zu 100% meine Tochter. Endlich fühlte ich mich verstanden, angenommen und auch angekommen. Zuvor wurde ich von vielen Bekannten als übermäßige Glucke wahrgenommen, die mit ihrer sehr bedürfnisorientierten Art ihr Kind zu sehr verwöhnt und verhätschelt. Ich war bisher immer diejenige, die in ihren Augen übertreibt und diesen kleinen Menschen verweichlicht und verzieht. Zum Glück habe ich mich nie wirklich verunsichern und von meiner Art abbringen lassen.

Wo hast du dich informiert?

 

Ich bin jemand, der wahnsinnig gerne liest und dann auch richtig in die Thematik eintaucht. Also besorgte ich mir als erstes Mal Literatur, machte checkups im Internet, las Beiträge auf Blogs und trat auch unterschiedlichen Facebookgruppen über HSK bei. Ich bin bis jetzt noch in der Phase des Sammelns von Informationen und tausche mich noch nicht sehr intensiv mit anderen Eltern aus. Das kommt aber sicherlich noch, da man sich dann ja sicherlich auch verstandener fühlt.

Was hat sich für dich im Umgang mit Frieda verändert, seitdem du über Hochsensibilität bescheid weißt?

 

Wir machen weiter wie bisher. Da wir von Anfang an sehr bedürfnisorientiert mit unserer Frieda umgegangen sind und uns hier alle sehr auf Augenhöhe zu begegnen versuchen, kamen wir der Hochsensibilität unserer Tochter ja – ohne HSK überhaupt zu kennen – immer schon sehr entgegen. Aus dem Bauch heraus und mit dem Wissen über Beziehung, Bindung und die Wichtigkeit der Bedürfnisbefriedigung in den ersten Jahren, haben wir unsere Frieda schon immer in schwierigen Situation, in neuen Lebenslagen oder bei der Kontaktaufnahme zu Menschen ganz intensiv begleitet. Wir haben schon immer alles mit ihr besprochen, vorher und auch nachher. Wir hatten von Anfang an viel Struktur, gleichbleibende Abläufe und feste Zeiten und Rituale. Das mögen Guido und ich auch und es half Frieda schon immer sehr. Trotz allem Verständnis für ihr empfindsames Wesen fassen wir unsere Frieda allerdings nicht immer nur mit den berühmten Samthandschuhen an und schonen sie ständig, sondern fordern sie schon auch manchmal heraus. Als HSK soll sie keine Sonderrolle einnehmen, sondern muss ja im späteren Leben (so wie jeder andere auch) mit Unwägbarkeiten zurecht kommen. Wir wollen sie stark machen, sie begleiten und ihr helfen, schwierige und neue Situationen zu bewältigen lernen und ihr dabei aber trotzdem Unterstützung, Raum und Zeit geben. Zeit, die sie braucht, um mit Dingen des Lebens und unserer Gesellschaft „warm“ zu werden. Ich hoffe das gelingt uns ein bißchen.

 

Hast du dein Umfeld an deinen neuen Sichtweisen teilhaben lassen und wie hat es reagiert?

 

Nein! Meine Erfahrung lehrte mich, solche Informationen im persönlichen Gespräch nicht mit so vielen uns näherstehenden Menschen zu teilen. Zumindestens nicht mit denen, die mich dahingehend vielleicht für verrückt erklären würden. Das sind die, die immer schon gedacht haben, dass ich unsere Frieda verwöhne und verziehe. Auf meinem Blog allerdings, den auch manche Familienmitglieder und Bekannte lesen, habe ich natürlich recht ausführlich davon berichtet. Mich hat aber noch niemand darauf angesprochen, mit dem ich das Gespräch über HSK lieber nicht führen wollte. Zum Glück.

Wie gehst du mit dem Thema in der Öffentlichkeit um z.B. in der Kita?

 

Im letzten Entwicklungsgespräch in der KiTa habe ich über meine Vermutung gesprochen. Der Begriff Hochsensibilität war ihnen nicht wirklich bekannt, aber die typischen Merkmale (falls man das ja überhaupt so sagen kann) sahen die Erzieherinnen ebenso wie wir. Glücklicherweise erkennen sie die besonderen Bedürfnisse an Nähe, Begleitung und Struktur unserer Frieda auch und versuchen sie dahingehend bestens zu unterstützen. Ich bin also im letzten Gespräch auf großes Verständnis und auch auf Bestätigung gestoßen. Das gab’ mir die Sicherheit, so dass ich es wieder genauso tun würde.

Denkst du, es ist wichtig, dass man als Mama weiß, dass das eigene Kind HS ist?

 

Für uns änderte sich irgendwie alles und doch nichts. Klingt komisch, oder? Ist aber so. Wir gehen jetzt nicht anders mit unserer Tochter um. Ich sehe mich lediglich noch mehr bestätigt, dass ich immer schon alles ganz gut nach Bauchgefühl gemacht habe. Witzig ist, dass Frieda fast auf den Tag genau als ich sie für mich als HSK einschätzte, viel mutiger und forscher geworden ist. Als würde das Wissen um die Hochsensibilität schon alles viel leichter machen und verändern. Kann Quatsch sein oder auch nicht.

Wenn man sich fragt, warum das eigene Kind so anders und viel schwieriger und komplizierter als andere Kinder ist, wenn man strenger erzieht, schimpft und sich nicht so zu Hause fühlt in Sachen Beziehung statt Erziehung, dann finde ich das Wissen um die Hochsensibilität wichtig, weil man doch sehr viel im Umgang mit seinem HSK ändern sollte. Wenn man aber mit den besonderen Wesenszügen des Kindes keine Schwierigkeiten hat, man sich sowieso schon sehr aufeinander eingestellt hat und die Bedürfnisse aller Familienmitglieder gleichermaßen als wichtig angesehen werden, muss man es vielleicht nicht unbedingt wissen. Einen Namen zu haben und sich endlich einmal verstanden, angenommen und angekommen zu fühlen, kann trotzdem sehr wertvoll sein. So war es jedenfalls für mich.

Welches Fazit ziehst du für dich aus den letzten Monaten, seitdem du von Friedas HS weißt?

 

Ich bin dann doch sehr froh, dass ich auf HSK aufmerksam gemacht wurde, denn seitdem hat sich ein so wahnsinnig interessantes, weites Feld für mich geöffnet. Ich lese darüber, lerne davon und wachse daran. Und dann begebe ich mich ja auch noch auf die Suche nach der HSP, die unserer Frieda die Hochsensibilität vererbt haben könnte und entdecke mich selbst dabei nochmal neu. Auch spannend!

Welche Herausforderungen empfindest du als Mama mit einem hochsensiblen Kind als besonders?

 

Die einzig wahre Herausforderung waren und sind die anderen, zum Teil sehr verständnislosen Mitmenschen. Es werden doofe und ironische Witze gemacht um mit Frieda in Kontakt zutreten. Witze, die sowieso kein Kind versteht und von einem HSK dann ohnehin für bare Münze genommen werden. Sie fassen das Kind an, kitzeln es, wollen lustig sein und sagen dann, es sei weinerlich und viel zu sensibel. Alle gehen offensiv auf Frieda zu, anstatt sie selbst „kommen zu lassen“. Niemand ist wirklich einfühlsam mit ihr und ich werde gerne mal belächelt.

Und zum Abschluss 🙂 Was verzaubert dich an deiner Tochter?

 

Alles! Sie ist so ein empfindsames, mitfühlendes, hübsches, schlaues, interessiertes und interessantes, begabtes, humorvolles, nachdenkliches, begeisterungsfähiges, faszinierendes, musikalisches, freundliches, friedvolles, ruhiges, mutiges, vorsichtiges, soziales, bedachtes, gerechtes und intelligentes Wesen und ich liebe sie jeden Tag noch ein bißchen mehr (obwohl man ja schon immer denkt, dass mehr gar nicht geht). Sie ist für mich einfach der tollste und wertvollste Mensch in meinem Leben.

ENDE

 

 

Kinder sind so bunt wie die Welt. Lassen wir uns von ihnen verzaubern!

Deine Verena

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