Hochsensibilität ist ein Begriff, der von Elaine N. Aron geprägt wurde. Sie geht davon aus, dass ca. 15 Prozent der Menschen eine hochsensible Veranlagung besitzen und dass diese Veranlagung ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal ist. Das bedeutet, dass Hochsensibilität vererbt wird.

Ein hochsensibler Mensch verfügt über eine andere Form der Reizverarbeitung. Das Nervensystem verarbeitet Reize intensiver.

Ein normal sensibles Kind z.B. würde bei dem Quietschen der Straßenbahn vielleicht nur kurz zusammenzucken. Ein hochsensibles Kind, das im Bereich „Hören“ empfindsam ist, zuckt nicht nur zusammen, sondern hält sich die Ohren zu und beginnt zu weinen. Es nimmt das Quietschen viel intensiver wahr und ist mehr davon betroffen.

Es ist ein bisschen, als würden die Filter im System des Hochsensiblen fehlen. Es fällt solchen Menschen viel schwerer, unwichtige“ Reize auszublenden. Bei einem abendlichen Gespräch am Tisch kann es für ein hochsensibles Kind fast unmöglich werden zuzuhören, wenn nebenher das Radio läuft, das Geschwisterchen weint, oder mehrere Menschen durcheinanderreden.

Hochsensible Menschen brauchen oftmals länger, weil sie damit beschäftigt sind Informationen innerlich richtig zuzuordnen. Informationen werden gründlich verarbeitet. Während die meisten Kinder im Stuhlkreis schon bei dem nächsten Thema sind, ist das hochsensible Kind z.B. damit beschäftigt über das Gespräch nachzudenken, dass eben geführt wurde. Viele hochsensible Erwachsene brauchen z.B. beim Lesen von Büchern länger, weil sie so gründlich lesen und ihnen keine Information verloren gehen soll. Während normal sensible auch quer lesen und erkennen, welche Informationen zum Verstehen nicht so wichtig sind.

Hochsensibel zu sein bedeutet, dass man die Welt anders wahrnimmt. Jedoch drückt sich diese Veranlagung bei jedem Menschen anders aus.

Die Sinnesorgane sind für unsere Reizverarbeitung zuständig. Jeder hochsensible Mensch besitzt seine eigene, einzigartige Mischung auf die er besonders intensiv reagiert. Es gibt Hochsensible, deren Empfindsamkeit drückt sich vor allem durch das Hören und das Riechen aus, andere sind z.B. auf der emotionalen Ebene sehr reizoffen.

Die vier Indikatoren von Elaine N. Aron

Im Internet gibt es mittlerweile viele Tests zu dem Thema. Diese Tests geben einen ersten Eindruck, ob dein Kind eine hochsensible Veranlagung haben könnte. Da Hochsensibilität keine Krankheit ist, gibt es kein Diagnostikverfahren wie z.B. bei ADHS, oder Autismus. Neben den Tests hat Elain N. Aron vier Indikatoren zur Feststellung von Hochsensibilität benannt, mit denen sowohl Eltern als auch pädagogische Fachkräfte die Möglichkeit einer Einschätzung bekommen.

Ich persönlich finde, dass man mit diesen vier Indikatoren sehr gut arbeiten und auch sehr gut argumentieren kann. Es ist nicht so einfach gerade Erzieherinnen, oder dem Opa, oder der Oma diese besondere Veranlagung zu erklären und klar zu definieren. Mit den vier Indikatoren bekommt ihr klare Prinzipien an die Hand.

1. Hohe Empfindsamkeit der Sinne

Hochsensible Menschen haben einen, oder mehrere Sinne, die besonders reizoffen sind. Wenn der Bereich des Hörens betroffen ist, werden diese Menschen z.B. Konzerte eher vermeiden, schneller von Partys nach Hause gehen, das Radio ausschalten, den Fernseher leiser stellen und unter z.B. länger andauerndem Baulärm besonders leiden. Es kann sein, dass mehrere Sinne sehr empfindlich sind, oder alle. Bei diesem Indikator drückt sich die Problematik sehr direkt aus.

Die Sinne

Riechen – Intensive Reaktion auf Gerüche z.B. Essensgerüche, Zigarettenrauch oder Parfums.

Sehen – Licht wird als anstrengend empfunden, gerne werden Sonnenbrillen zum Schutz genutzt

Hören – Lautstärke oder viele unterschiedliche Geräusche führen zu Überreizung

Schmecken – Geschmack wird sehr bewusst wahrgenommen, hohe Sensibilität bei Schärfe, Säuerlichkeit etc.

Fühlen  – Ausgeprägtes Bewusstsein für das Gefühl auf der Haut. Schwierigkeiten bei kratziger Kleidung oder Körperkontakt

Spüren – Emotionen von sich selbst und anderen werden stark innerlich wahrgenommen

Im Hinblick auf hochsensible Kinder (HSK) gilt es sich auf Spurensuche zu begeben!

2. Tiefes, intensives Wahrnehmen und Verarbeiten

 

Hochsensible Menschen beobachten genau und detailliert. Ihre aufgenommen Informationen werden sehr gründlich und tief verarbeitet. Das führt dazu, dass sie bei Entscheidungen länger brauchen, weil sie in ihrem Inneren versuchen alles auszuwerten und zu durchdenken. Auf der anderen Seite sind hochsensible Menschen in der Lage komplexe Zusammenhänge oft rein intuitiv zu erfassen. Sie können gut quer denken, dahinter sehen und viele Informationen zu einer Kernaussage zusammenführen. Ein tiefes Wahrnehmen kann sich darin äußern, dass sich bereits Kinder mehr Gedanken über Gott, Tod, Verlust etc. machen. Sie stellen Fragen, die so manchen Erwachsenen überfordert und überrascht, wirken etwas altklug und eher wie kleine Erwachsene, als wie unbedarfte Kinder.

 

 

3. Intensive Emotionen

 

Das intensive Wahrnehmen führt zu intensiven Emotionen. Im Gegensatz zu traumatisierten Menschen äußert sich dies bei Hochsensiblen sowohl im negativen, als auch im positiven Bereich. Angst und Sorgen können genauso stark wahrgenommen werden wie z.B. Freude.

Hochsensible Kinder können z.B. durch einen Streit mit der Mutter wesentlich länger betroffen sein, als ein normal sensibles Kind. Manchmal dauert es Stunden, oder Tage bis Ereignisse verarbeitet sind und zur Seite gelegt werden können. Ebenso können intensive Emotionen zu einem „Überreagieren“ führen, weil viel zu viel Gefühl vorhanden ist und es nach außen muss. Eher introvertierte Menschen neigen dazu, ihre Emotionen in sich hineinzufressen.

4. Überreizung

Durch ihre Art der Wahrnehmung geraten hochsensible Menschen schneller in einen Zustand der Übererregung. Es entsteht Stress im Körper, der sich unterschiedlich äußert, durch Unbehagen, Bauchschmerzen, Schweiß, Blackouts, Reizbarkeit, Weinen oder Erschöpfung. Aufgrund der Überreizung werden viele Hochsensible als „Sensibelchen“ oder „Mimose“ abgestempelt. Fakt ist, dass diese Menschen schneller „voll sind“ und mehr Zeit benötigen um wieder „leer“ zu werden. Sie sind schneller erschöpft, weil sie mehr Reize, oder intensivere Reize verarbeiten müssen als andere.

HSK fallen z.B. dadurch auf, dass sie auf einem Kindergeburtstag als erstes nach Hause wollen, oder nach einer Zeit beginnen zu weinen, oder überdrehen. Große Kindergartengruppen können zu einer Überreizung führen, ebenso wie anhaltender Stress im Elternhaus, oder große Erwartungshaltungen und Druck in der Schule.

Quellen: https://www.feinimsein.de/kriterien/

Hensel Seite 43/44

 

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